Wrong Picture
Sometimes the past knocks just to see if you’ll let it go.
Cars lined the curb all the way to the bend. The bar had run out of oxygen. Standing room only, the stools next to Bukowski taken, the bartender blind to my waving. Somewhere in the back, billiard balls clicked their private conversation. October was cold, wet, and still.
A craggy frog-face in suspenders and rolled-up sleeves played poker with three others, cigar smoke mixing with the smell of armpit. Women in mink stoles dragged men by their ties onto the dance floor. I got shoved aside.
I could’ve used a guy to share some silence with. “You too?” something asked from my right.
I’d been trying to follow the table action from the third row and hadn’t noticed I was shouldering someone out of the gap.
She carried heavy perfume in her South American accent. Stacked on four inches of heel, that retouched upper lip in True Red landed exactly ear-level, matching her toenails.
The space between her fingernails was empty. She caught me looking. “If you were a woman, you could hustle.” No wedding band. The compliment felt like a down payment. “One minute,” I said.
The bartender set two glasses in front of some other guy who’d ordered after me. I dropped a bill on the counter and vanished with the drinks.
True Red had held my spot. She took the glass. “Thanks, stranger.” I looked into her eyes for the first time. Green with brown. Brown with orange. Orange with green. “We match,” I said. “Absolutely,” she said. We clinked. The rolled-up sleeves sorted three stacks—fives, tens, twenties.
“We could get married,” I said. “Absolutely.” A fist caught my shoulder. The guy with the drinks.
I spilled mine and wanted to say something smooth to deepen the impression. The second punch landed somewhere else.
“Bukowski called me.” A woman leaned over me. I was lying outside the entrance, in a puddle. She pressed a damp cloth to my forehead. She wanted to return the ring. Two and a half years after the lawyers. She pulled it from a cloth pouch. One last grand farewell gesture. “You really moving to Brazil?” She knows more than I do. Or I missed something. Or both.
“Would you really marry again?” Memory came back. True Red.
I told my ex she was the greatest love of my life. That was the truth. Nothing but. She helped me up. She helped me back to the bar. Edward G. Robinson, the film crew, True Red—all gone. The bartender put a bottle of red wine in front of us. If they’d had a menu, it wouldn’t have been on it. His look said: Certainly not for you.
We drank and talked, and the bartender disappeared, and we were alone, and we kissed and found a bed. Somewhere.
When I say you didn’t hear the call, didn’t grasp its three dimensions—that probably fits the guy in this story.
Mothers, for instance, don’t need a call. Their transformation happens with motherhood. The sentence enters my head as if some know-it-all perinatal counselor had taken command up there.
I figure I haven’t lived through all the dimensions yet. Probably just one. Now I believe the counselor. Maybe two? I’m bargaining.
But: Why else would my kids have settled for a kind of truce and stayed silent about the rest? They’re polite and well-raised, after all.
Yeah, the truth. Maybe the pain would just be too... what?
I should ask some old man at the bar. I should ask him about the movie they’re shooting here. I should hurry.
Falscher Film
Autos standen bis zur Kurve am Straßenrand. Die Bar war ohne Sauerstoff. Es gab nur noch Stehplätze, die Hocker neben Bukowski waren besetzt, der Barkeeper ignorierte mein Winken. Irgendwo im Hintergrund klackerten Billardkugeln ihre private Unterhaltung. Der Oktober war kalt, nass und windstill.
Ein zerfurchtes Froschgesicht mit Hosenträgern und hochgekrempelten Ärmeln spielte mit drei anderen Poker, Zigarrenrauch vermischte sich mit dem Geruch von Achselschweiß. Frauen in Nerzstolen zogen Männer an ihren Krawatten auf die Tanzfläche. Ich wurde beiseite geschoben.
Mir fehlte ein Typ, mit dem ich mich hätte anschweigen können. „Auch hier?”, fragte mich was von rechts.
Ich hatte versucht, das Geschehen am Tisch aus der dritten Reihe zu verfolgen, und nicht bemerkt, dass ich jemanden aus der Lücke drängte.
Sie trug schweres Parfüm in ihrem südamerikanischen Akzent, und, aufbauend auf zehn Zentimeter Heels, kam mir die nachgezogene Oberlippe in True Red exakt auf Ohrhöhe. Die Farbe matchte mit der ihrer Zehennägel.
Der Raum zwischen ihren Fingernägeln war leer. Sie bemerkte meinen Blick. „Wenn Sie eine Frau wären, könnten Sie sich was dazuverdienen.” Kein Ehering. Das Kompliment wirkte wie eine Anzahlung. „Eine Minute, bitte”, sagte ich.
Der Barkeeper stellte zwei Gläser vor einen anderen Typen, der nach mir bestellt hatte. Ich legte einen Schein auf die Theke und verschwand mit den Getränken.
True Red hatte mir die Lücke freigehalten. Sie nahm das Glas. „Danke, Fremder.” Ich schaute ihr zum ersten Mal in die Augen. Grün mit Braun. Braun mit Orange. Orange mit Grün. „Wir passen gut zusammen”, meinte ich. „Auf jeden Fall”, sagte sie. Wir stießen an. Die hochgekrempelten Ärmel sortierten drei Stapel – Fünfer, Zehner, Zwanziger.
„Wir könnten heiraten”, sagte ich. „Auf jeden Fall.” Eine Faust traf meine Schulter. Der Mann mit den Drinks.
Ich verschüttete meinen und wollte was Lässiges sagen, um den guten Eindruck ihr gegenüber zu vertiefen. Der zweite Schlag traf mich woanders.
„Bukowski hat mich angerufen.” Eine Frau beugte sich über mich. Ich lag draußen vor dem Eingang, in einer Pfütze. Sie drückte mir ein feuchtes Tuch auf die Stirn. Sie wollte mir den Ring zurückgeben. Zweieinhalb Jahre nach den Anwälten. Sie zog ihn aus einem Stoffbeutel. Ein letzter großer Abschiedsgestus. „Willst du wirklich nach Brasilien?” Sie weiß mehr als ich. Oder ich habe irgendetwas verpasst. Oder beides.
„Würdest du wirklich nochmal heiraten?” Die Erinnerung kam zurück. True Red.
Ich sagte meiner Ex, sie sei die größte Liebe meines Lebens. Das war die Wahrheit. Nichts als das. Sie half mir auf. Sie half mir zurück zur Bar. Edward G. Robinson, die Filmcrew, True Red – sie alle waren fort. Der Barkeeper baute eine Flasche Rotwein vor uns auf. Hätte es hier eine Karte gegeben, der Wein hätte nicht drauf gestanden. Sein Blick sagte: Schon gar nicht für dich. Wir tranken und redeten, und der Barkeeper verschwand, und wir waren allein, und wir küssten uns und fanden ein Bett. Irgendwo.
Wenn ich sage, ihr habt den Ruf nicht gehört, nicht seine drei Dimensionen, dann trifft das wohl auf den Typen in dieser Story hier zu. Mütter zum Beispiel brauchen keinen Ruf. Ihre Verwandlung geschieht mit der Mutterschaft. Der Satz kommt mir in den Kopf, als hätte dort eine altkluge Perinatalberaterin das Kommando übernommen.
Ich schätze, dass ich noch nicht alle Dimensionen durchlebt habe. Bestimmt nur eine. Jetzt glaube ich der Beraterin. Vielleicht zwei? Ich verhandle.
Aber: Warum sonst hätten sich meine Kinder mit einer Art Waffenstillstand zufrieden gegeben und über den Rest geschwiegen? Sie sind schließlich höflich und gut erzogen.
Ja, die Wahrheit. Vielleicht wäre der Schmerz einfach zu ... ja was? Ich sollte einen alten Mann an der Bar fragen.
Ich sollte ihn nach dem Film fragen, den sie hier drehen. Ich sollte mich beeilen.


